Konrad Beikircher

Geboren bin ich am 22.12.1945 in Bruneck. Bruneck ist in Südtirol. Südtirol ist seit 1918 in Italien.

Das nur zum Thema: “Für einen Bayern sprechen Sie aber gut kölsch.” – “Ich bin aus Südtirol.” – “Ah ja, wollt ich grad sagen: für einen Österreicher sprechen Sie aber gut kölsch.” – “Südtirol ist in Italien.” – “Aber noch nicht lang, ne?”

Mit 1 spielte ich Mundharmonika (sagt meine Mutter), mit 4 Klavier (aber nicht sehr lang) und ab 8 Geige (das aber so, dass ich mit 20 hauptberuflich Geiger werden wollte). Mit 5 habe ich die Ruth täglich auf dem Roller vom Kindergarten nach Hause gefahren, mit 6 dann die Emmi und heute bin ich 71 und habe fünf Kinder (Sie sehen: mit dem Rollerfahren sollte man verdammt vorsichtig sein).

Nach dem Abitur ging ich nach Wien, wollte Zeitungswissenschaften und Psychologie studieren, kam aber vor lauter Staatsoper und Heurigem nicht dazu, so, dass ich Ende 1965 nach Bonn ging um da tatsächlich zu studieren und zwar Psychologie, Musikwissenschaften und Philosophie.

Die Programme

#BEETHOVEN – dat dat dat darf!

Liebes Publikum,
Mit drei Jahren habe ich die erste Schellackplatte auf den Küchenboden fallen lassen: Beethoven’s Klaviersonate „Pathétique“, gespielt von Wilhelm Kempff. Alle fielen ins Koma, ich hab’s überlebt. Mein Leben lang hat er mich seitdem begleitet, Ludwig der Große. Jetzt ist es an der Zeit, zu erzählen, was dabei herausgekommen ist. Dass er die Fünfte, die Neunte, den Fidelio oder die Wut über den verlorenen Groschen geschrieben hat, weiß jeder. Dazu brauchen Sie nicht zu mir zu kommen, das steht
alles in den Programmheften der Konzertsäle. Privat war er allerdings alles andere als der Fackelträger abendländischer Moral: der Schwerenöter war hinter Frauen her, aber hallo! Meistens aber erfolglos und wenn die Sehnsucht allzu groß wurde, hat er sie sich gemietet, er jonglierte mit dem Geld, dass es jeden Hütchenspieler begeistert hätte, er schrieb immer wieder Rheinlieder und versteckte sie in berühmten Kompositionen, weil der Rhein in Wien kein Schwein interessierte, er war verlobt mit einer Bonnerin, die ebenfalls in Wien lebte, er war ein Helikopteronkel wie er im Buch steht, er hat Fürsten erpresst und der Trinker Beethoven war ein launiger Griesgram, der allein mit seinem Lachen Geld hätte verdienen können, so laut und ansteckend war es.
Er war ‚harthörig’ und später taub, was ihn mißtrauisch ohne Ende machte und er war rheinischer Republikaner von Grund auf. Kurz: der große, unberührbare Titan, der größte Komponist und der Held der Menschheit war im Alltag ein – was ein Glück! – ganz normaler Mensch. Ein Leben
lang hab ich zusammengetragen und verspreche Ihnen, dass ich Ihnen nur die Wahrheit erzähle – wenn auch in meinen Worten. Wissen Sie, was Sie bisher nicht wussten, glauben Sie, was Sie bisher nicht glauben wollten, erfahren Sie mehr: über ihn und über – sich!
Was das alles mit „dat dat dat darf!“ zu tun hat? Kommen Sie doch vorbei, ich erzähl’ es Ihnen.

Passt schon

Es gibt viel zu erzählen, sogar mehr als früher!

Die Zeiten werden immer komplizierter, keiner blickt mehr durch und alle verstecken sich immer mehr in der Überschaubarkeit der Region, in der sie leben. Heimat ist angesagt. Da liegt es auf der Hand, dass der Experte für Regionalsprachen, Konrad Beikircher, mal schaut, worin sich die Regionen überhaupt unterscheiden: wenn der Mensch ist, wie er spricht, haben da aber viele Regionen ganz ganz schlechte Karten.

Man erfährt viel über Leute, wenn man schaut, worüber sie lachen. Jede Region hat zum Beispiel ihre eigenen Witze, weil jede Region ihre eigenen Köpp hat oder haben Sie jemals erlebt, dass ein Kölner über eine Määnzer Büttenrede gelacht hätte? Ich nicht! Und: wie sieht das bei den jungen Leuten aus (vorweg schon mal: sowas von traurig, ui ui ui!), wie beim Schwaben, Sachsen und und und?

Weil der Beikircher ein Mensch ist, der mitten im Leben steht, auch im vernetzten Leben, erzählt er uns auch einiges übers Älter werden und Jung sein müssen und über die ganz Jungen, die überhaupt nix peilen.

Irgendwie aber passt das schon alles, wenn auch nur irgendwie.

Das Rheinische hilft da zwar schon, ist aber nicht mehr im Vordergrund – auch mal schön, oder?! Das Duo „Frau Walterscheidt – Frau Roleber“ wird böse Kommentare zum Zeitgeschehen geben, was ja ohnehin die Spezialität dieser bösen rheinischen Bäckersgattin war – und ist! So nach dem Motto: Brexit, Brexit! Ich hätte schon vor Jahren den Stopsel aus der Insel ziehen sollen, dann hätten wir Brex-Under gehabt und fertig! Und wenn Trump dran bleibt, wird sicher auch über Drecksäcke das ein oder andere zu erzählen sein. Sie sehen: passt schon! Irgendwie!

Sternstunde

Die stillste Zeit im Jahr ist in unseren Städten die lauteste. Da darf man auch auf der Bühne mal mit Zimtsternen werfen, oder?!

Mit Besinnlichkeit hat Konrad Beikirchers Weihnachts-Special nur bedingt etwas zu tun. Vielmehr geht es um den ironisch-komischen Irrsinn rund ums Fest, der alle Jahre wieder die Familien während der Feiertage zwischen Geschenkpapier, Weihnachtsbraten und Baumschmücken heimsucht. Schließlich hat Beikircher kein einfaches Verhältnis zu Weihnachten. Dass er zwei Tage vor Heiligabend Geburtstag hat, bescherte ihm in seiner Kindheit ein Trauma: Die Geburtstaggeschenke gab es erst am 24. Dezember - und dann waren es Socken, Hemden und Unterhosen.

Da bleibt es nicht aus, dass in dieser Mischung aus Geschichten erzählen, Lesung und kabarettistischen Einlagen nicht nur feierliche Töne angeschlagen werden.  Köstliche, abartige, zum Schreien komische und zum Kuscheln traute Geschichten und Gedichte von Brecht, Kästner Hüsch und Loriot wechseln sich ab mit persönlichen Anekdoten aus dem weihnachtlichen Südtirol. Das ein oder andere Lied und die ein oder andere rheinische Geschichte runden den Abend ab.

Fotos: Melanie Grande/Thomas Rodriguez

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